In früheren Jahren

Ich bin bei Eltern aufgewachsen, die ein ausgesprochen großes Herz für alles hatten, das in Not war. Zwar war meine Mutter nicht der große Tierfan, aber mein Vater schon. Schon in jungen Jahren nahm er den einen oder anderen ausgesetzten Hund auf. Als meine große Schwester geboren wurde, lebte der bis dato Letzte davon noch immer bei meinen Eltern. Er verstarb zwar bald darauf, aber bei meiner Schwester hatte sich das Bild eines Hundes wohl tief ins Herz gegraben. Sie quängelte so lange nach einem Tier, bis meine Eltern nachgaben. Zwar wurde es nicht der erwünschte Hund, sondern nur ein Meerschweinchen, aber immerhin. Es folgte ein zweites und ein drittes, Kaninchen gesellten sich dazu und in der Zwischenzeit auch meine andere Schwester und ich. Ich war also von klein auf an Tiere gewöhnt. Mit drei vier Jahren zog ein streunender Kater bei uns ein (mein Vater hatte die Zuneigung zu „armen“ Tieren nicht verloren). Leider lebte er nicht mehr lange, aber ich liebte ihn sehr. Meine Eltern hatten sich mit einem Kater im Haus aber nicht so anfreunden können und so blieb er die letzte Katze, die damals unsere Schwelle überschritt. Tiere gab es trotzdem immer, es blieb eine bunte Mischung von Nagetieren, einschließlich Mäusen, Vögeln und sogar einer Schildkröte. Als ich zehn war, kam wieder ein Hund in Not. Mein Vater brachte ihn an, natürlich durfte er bleiben. Es war ein Wasserpudel, schon fortgeschrittenen Alters. Wir Kinder liebten ihn sehr. Vier Jahre hatte er noch bei uns, dann mussten wir ihn gehen lassen. Wieder vergingen ein paar Jahre ohne Hund, dann erlitt meine große Schwester einen schlimmen Unfall. Um ihre Genesung zu beschleunigen, empfahl der behandelnde Arzt die Anschaffung eines Tieres. Drei Tage später trabte Bärchen durch unsere Wohnungstür. Es war ein Lhasa Apso, vier Monate alt, quitschvergnügt und einfach bezaubernd. Meine Eltern hatten sich mit der Auswahl des Hundes eigentlich ein wenig Zeit lassen wollen, aber meine große Schwester hat schon früher nicht lange gezaudert, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass knapp zwei Jahre später Pebbles unseren Haushalt ergänzte. Meine Schwester wollte sich eigentlich nur die Welpen ansehen, aber in der Nacht zuvor war die Hundemutter verstorben. Die Züchter drückten ihr also das kleine vier Wochen alte Knäuel in die Hand uns sie brachte es zu uns. Die ersten Wochen lebte er in meinem alten Puppenkörbchen, damit der kleine Wutz nicht verloren ging. Er war ja nur eine Handvoll Hund, pechschwarz. Da er so knubblig aussah, bekam er den Namen ‚Pebbles‘, also ‚Kieselstein‘. Meine Mutter und meine Schwester wechselten sich mit der Flaschenaufzucht ab, nachts Durchschlafen war nicht mehr drin. Pebbles wurde ein großer, kräftiger Lhasa, der meiner Schwester ihre Aufopferung allerdings in keiner Weise dankte. Er blieb Zeit seines Lebens nur einem Menschen in tiefster Ergebenheit verbunden: meiner Mutter. Und so nahm meine Schwester bei ihrem ersten Schritt ins Erwachsenenleben, dem Auszug,  auch nur Bärchen mit. Allerdings klappte die Trennung der Beiden nicht sehr gut und so blieben einfachhaltshalber beide Hunde bei meinen Eltern.
Sie erreichten ein schönes Alter, starben allerdings innerhalb von zwei Monaten beide an Krebs, Bärchen mit 16 und Pebbles mit 14. Das war im Jahr 2002.
Ich selber war ebenfalls schon zu Beginn der 90er Jahre ausgezogen und das erste, dass ich von meiner Familie geschenkt bekam, war die seit meiner Kindheit so sehnsüchtig herbeigewünschte Katze. Es war eine Siamesin und ich liebte sie abgöttisch. Sie starb mit 5,5 Jahren an plötzlichem Herzversagen und ich war totunglücklich. Zum Trost kamen erst Carry, eine Somalikatze und dann Rhonda, wieder eine Siamesin. Sie leben heute immer noch bei mir.

Ein Kommentar zu “In früheren Jahren

  1. Der Moslem sagt:

    Heute ist Welt-Katzen-Tag.
    Habsch irgendwo online gelesen.

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