Und dann kam Jaka

Sie saß in einer Ecke, blond und unglaublich armselig. Mein erster Saluki, den ich im Leben sah. Wenn wir als Kinder in Hundebüchern geblättert haben, blieb ich immer bei den Windhunden hängen. Sie faszinierten mich, aber am Schönsten fand ich die Salukis. Natürlich waren sie immer weit entfernt, nie hätte ich mir einen Windhund zugelegt. Viel zu ausgefallen und zu anspruchsvoll. Aber ich war völlig hin und weg, als ich nun meinem ersten Saluki tatsächlich gegenüber saß. Ich lockte und bemühte mich, aber die schöne Hündin blieb unglaublich ängstlich und scheu. Meine Schwester versuchte sich zu entscheiden und ich bemühte mich um diesen Hund. Wir waren ungefähr zwei Stunden dort, dann nahm meine Schwester die kleine Paimai nach Hause. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und fragte allen Ernstes, ob die Hündin auch ein neues Zuhause suchte. Tat sie natürlich nicht und so gingen wir zwar mit Katze, aber ohne Saluki.

Aber in meinem Kopf waren die Mühlen ins Rollen gekommen. Ein eigener Hund, das wäre schon schön. Mit der Arbeit ließ es sich vereinbaren und meine Ehe war sowieso am Ende. Ein Jahr zuvor war mein Vater verstorben und meine Mutter war auch bereit ab und zu den Hundesitter zu machen. Also, was für ein Hund sollte es ein? Ein Collie-Mix, wie Wilma? Nun, wäre nicht schlecht. Meine Schwester fragte, ob ich nicht einen Saluki wollte, aber nein, ein Windhund, dashätte ich mich nicht getraut. Im Internet fand ich unglaublich viele Galgos, die ein Zuhause suchten. Und unglaublich viele Hinweise, was alles zu beachten sei, bei einem Windhund. Also, auch kein Galgo. Aber einer aus dem Tierschutz, das wäre gut. Gerne auch schon älter. So begann die Suche. Tageweise saß ich vor dem Rechner. Katzenlieb musste er sein, Kinderlieb, wäre auch toll. Alleine bleiben, natürlich ein Muss, Auto- und Bahnfahren selbstverständlich. Treppensteigen musste er auch können und so leib sein, dass auch meine Mutter ihn halten konnte. Ich suchte und suchte. Hatte ich einen gefunden, der mir passend erschien, hatte ich meinen Plan aber ohne die Vermittler gemacht. In der Stadt? Ohne Garten? Arbeitend? Nein, einen Hund kriege ich nicht. Ins Tierheim habe ich mich nicht getraut, ich hätte doch alle mitnehmen wollen. Ein Jahr habe ich damit zugebracht, zu suchen und zu gucken. Der Wunsch wurde stärker, der Frust auch. Irgendwie sollte es nicht sein. Dreimal hatte ich tatsächlich etwas passendes gefunden und dreimal war der Hund direkt vorher vermittelt worden. Ich war kurz vorm Aufgeben. Schließlich kaufte ich mir an einem Samstag die Zeitung, die uns auch schon so viele Male bei den Katzen geholfen hatte. Sie hat immer einen großen Tiermarkt und ich dachte mir, dass da schon ein Hund dabei sein würde. Ja, sah gut aus, Labroador-Collie-Mixe, klang ja nicht schlecht. Hmm, Seite 2….Da stand sie: Salukihündin, 7 Jahre, sandfarben, katzenlieb, kinderlieb, aus Zeitmangel abzugeben. Nur an windhunderfahrene Leute.
Mir rutschte das Herz bis zum Hals und ich musste sofort an die Hündin denken, damals, vor einem Jahr. Konnte das sein? Ich rief meine Schwester an, ob sie von den Leuten noch eine Nummer hatte. Nein, natürlich nicht und ob ich mir sicher wäre, dass dies der gleiche Hund wäre? Hm, ja ich war mir sicher. Ich nahm meinen Mut zusammen und rief an. Die Leute müssen mich für verrückt gehalten haben, ich war so aufgeregt, dass ich nur noch gestammelt habe, bei dem Versuch herauszufinden, ob es sich um diesen Saluki handelte. Und nach ein paar Minuten kamen wir überein, dass es wohl sein könnte. Wenn ich wollte, könnte ich am nächsten Tag kommen. Na, und ob ich wollte. Diesmal musste meine Schwester mit mir kommen. Wir fuhren zu der Adresse, inzwischen woanders als das Jahr davor, kingelten und fuhren hoch. Die Tür öffnete sich, ja, das waren die gleichen Leute. Und da war sie, die Hündin. Sie sah noch ärmer aus, als das Jahr zuvor. Schäbig, mit kahlen Stellen an der Rute. Aber sie kam zu mir und sprang an mir hoch, als hätte sie mich erwartet.
Wir sprachen nur kurz, ich überreichte das Geld, bekam Leine, Napf und Decke in die Hand gedrückt und dann gingen wir. Jaka kam mit mir mit und drehte sich nicht noch einmal um. Ich war unfähig zu denken, so aufgeregt war ich. Meine Jaka, da war sie nun! Das war sicherlich einer der glücklichsten Tage meines Lebens.

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